5 Fragen an...
Bernd Freese
Im Gespräch mit dem Sammler Bernd Freese
Art: InterviewAutor*in:
29.01.2026
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Bernd Freese baute über Jahrzehnte mit Herzblut, Spürsinn und Kennerschaft eine bedeutende Bauhaus-Sammlung auf. In der aktuellen Sonderausstellung im Bauhaus-Museum Weimar „Die ‚Urzelle‘ des Bauhauses. Karl Peter Röhl und sein Freundeskreis“ werden wichtige, selten gezeigte Leihgaben aus seiner Sammlung gezeigt. Wir haben mit ihm über seine Sammelleidenschaft, seine Begeisterung für das frühe Bauhaus und digitale Ausstellungsobjekte gesprochen. Hört rein!
»Eine verlorene Plastik, die auch in die Frühzeit des Bauhauses passt, so wieder zum Leben zu erwecken – das ist durch diese Technik tatsächlich passiert.«
Herr Freese, einmal Sammler, immer Sammler? Woher kommt Ihre Leidenschaft für das Sammeln? Und wie verstehen Sie Ihre Rolle als Sammler angesichts des heutigen Kunstmarkts auf der einen Seite und den öffentlichen Kulturinstitutionen auf der anderen Seite?
Also angefangen hat eigentlich alles in meiner Jugend. Ich habe immer schon was gesammelt: Bierdeckel, Kronkorken, Fußballbilder, Briefmarken. Und irgendwie hat mich das nie losgelassen. Aber irgendwann war ich in der berühmten Galerie Nierendorf und habe meinen ersten Johannes Itten erworben. So fing alles an mit dem Bauhaus. Das war ungefähr 1986. Der damalige Inhaber, Florian Karsch, erzählte mir etwas von Johannes Itten. Ich hatte noch nie eigentlich von ihm gehört oder vage nur. Er hat es so begeistert rübergebracht, dass ich sie erworben habe – für damalige 1.800 Mark. Das war viel Geld für eine Lithographie von 1919.
Und dann habe ich gedacht, jetzt musst du genauer wissen: Wer war Itten, wie hängt alles zusammen? Und wie es der Zufall will, nur wenige Jahre später habe ich dann Eckart Neumann in Frankfurt kennengelernt, den Autor von „Bauhaus und Bauhäusler“. Also jeder, der sich mit Bauhaus beschäftigt, kennt dieses Buch. Er hat etwa 50 bis 60 Bauhäusler, die noch lebten, interviewt. Als Untertitel: „Erinnerungen und Bekenntnisse“. Das Buch erschien bei DuMont 1985.
Ich habe das Buch gelesen, eher überlesen, und sehe zu meinem Erstaunen: Der Autor lebt ja in Frankfurt am Main, da, wo ich wohne. Damals gab es noch Telefonbücher, und ich habe tatsächlich den Neumann, Eckart Neumann, erwischt. Es gab natürlich 50 Neumann. Und er war auch gleich am Telefon und sagte: Was ein Zufall, dass Sie mich gerade hier erreichen. Ich hatte mir fünf Fragen zurechtgelegt, und er sagte gleich, das ist ein bisschen viel. Kommen Sie mich doch mal besuchen. Und er hat mich wirklich auf die Schiene gebracht. Ich habe ihn 15 Jahre lang besucht.
Und dann habe ich gedacht, jetzt musst du genauer wissen: Wer war Itten, wie hängt alles zusammen? Und wie es der Zufall will, nur wenige Jahre später habe ich dann Eckart Neumann in Frankfurt kennengelernt, den Autor von „Bauhaus und Bauhäusler“. Also jeder, der sich mit Bauhaus beschäftigt, kennt dieses Buch. Er hat etwa 50 bis 60 Bauhäusler, die noch lebten, interviewt. Als Untertitel: „Erinnerungen und Bekenntnisse“. Das Buch erschien bei DuMont 1985.
Ich habe das Buch gelesen, eher überlesen, und sehe zu meinem Erstaunen: Der Autor lebt ja in Frankfurt am Main, da, wo ich wohne. Damals gab es noch Telefonbücher, und ich habe tatsächlich den Neumann, Eckart Neumann, erwischt. Es gab natürlich 50 Neumann. Und er war auch gleich am Telefon und sagte: Was ein Zufall, dass Sie mich gerade hier erreichen. Ich hatte mir fünf Fragen zurechtgelegt, und er sagte gleich, das ist ein bisschen viel. Kommen Sie mich doch mal besuchen. Und er hat mich wirklich auf die Schiene gebracht. Ich habe ihn 15 Jahre lang besucht.
Wenn wir gerade beim Bauhaus sind: Was fasziniert Sie denn besonders an der frühen Bauhaus-Bewegung?
Also ich bin heute wahrscheinlich zum 20. Mal in Weimar. Ich habe mir immer auch die Bauhaus-Sammlung angesehen, damals noch am Theaterplatz. Ich habe eine Feininger-Radtour gemacht, zwei sogar, mit einer Führung. Ich kann wirklich verstehen, dass Feininger diese verlassenen Dörfer und diese wunderbaren Kirchen so faszinierend fand. Ich auch.
Zu Ihrer Sammlung gehört unter anderem auch das erste von Karl Peter Röhl entworfene Bauhaus-Signet, das Sternenmännchen. Was bedeutet es für Sie, dieses besondere Werk in Weimar an seinem ursprünglichen Entstehungsort ausgestellt zu sehen?
Na ja, ich fand es großartig, dass Frau Ackermann das ausgesucht hat. Ich habe es auch gern gegeben. Es ist fantastisch gerahmt, von mir, in einem alten holländischen Rahmen. Es ist ein Originalrahmen aus der Zeit und dadurch schon ein Hingucker.
In der Ausstellung „Die ‚Urzelle‘ des Bauhauses“ wird mithilfe neuester digitaler Möglichkeiten eine für die Nachwelt verlorene Skulptur von Johannes Karl Hermann gezeigt. Die Installation spiegelt das kreative Potenzial des Digitalen im Umgang mit Sammlungslücken und Fragmenten wider. Einen leidenschaftlichen Sammler würde man spontan eher als Vertreter der Aura des Originalobjekts einordnen. Wie sehen Sie den zunehmenden Einsatz von Digitalisierung in der Kunst- und Kulturvermittlung?
Also in diesem Fall würde ich sagen, ist das absolut angebracht. Eine verlorene Plastik, die auch in die Frühzeit des Bauhauses passt, so wieder zum Leben zu erwecken. Ein verlorenes Objekt wieder zum Leben zu erwecken – und das ist durch diese Technik tatsächlich passiert.
Gibt es abschließend ein Werk oder ein Objekt in Ihrer Sammlung, das Ihrer Meinung nach mehr Aufmerksamkeit verdienen würde?
Es gibt einige Arbeiten, die sind bei mir tief vergraben im Schrank. Die haben zusätzlich noch einen Schuber oder einen Karton drumherum. Und da fällt mir eine Sache ein, die ich gestern noch in der Hand hatte. Das ist wirklich etwas ganz Besonderes: ein Bucheinband von Anny Wottitz. „Das afrikanische Märchen“, gebunden in Baumrinde, mit Perlen, mit Bast. Ich weiß, dass Berlin noch ein Exemplar hat. Und ich habe das andere. Meins ist aber besser erhalten.
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