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Vertikale Verheißungen

Stufen voller Geschichte(n)

Art: Artikel Autor*in: Kathleen Kröger
04.06.2026 5

Sie verbinden Stockwerke, Zeiten und Geschichten: Die Treppenhäuser Weimars gehören zu den schönsten, teils verborgenen Schätzen der Stadt. In Schlössern, Bibliotheken und Museen finden sich beeindruckende Treppenhäuser und alte Wendeltreppen, die weit mehr sind als bloße Verbindungen zwischen Etagen.

Nicht nur die Exponate der Museen und die Bücher der Bibliotheken und Archive in Weimar sind Objekte, für die sich Menschen begeistern. Schon die Architektur der Häuser und Räume stehen durch ihre Ästhetik und als Zeitzeugnis verschiedener Bauepochen als Schauobjekte für sich. Oft sind es die Treppenhäuser, die einen Besucher auf den Rest des Hauses einstimmen. Viel sehenswerte, architektonisch herausragenden Treppen sind während der Öffnungszeiten der Häuser der Klassik Stiftung Weimar frei zugänglich und erlebbar. Es gibt aber auch Geheimtipps, die viele Weimarer noch nicht gesehen haben.

<p>Das Gentzsche Treppenhaus im Ostflügel des Residenzschlosses Weimar. ©Thomas Müller | Klassik Stiftung Weimar</p>

Das Gentzsche Treppenhaus im Ostflügel des Residenzschlosses Weimar. ©Thomas Müller | Klassik Stiftung Weimar

Das Gentzsche Treppenhaus

Das Gentzsche Treppenhaus gilt als ein bemerkenswertes Beispiel klassizistischer Architektur. Es wurde 1774 nach Entwürfen des Architekten Heinrich Gentz gestaltet und verbindet als Haupttreppenhaus repräsentative Wirkung mit funktionaler Eleganz. Die harmonischen Proportionen, die klare Formensprache und die sorgfältige Gestaltung der Treppenanlage spiegeln die architektonischen Ideale der Weimarer Klassik wider.

Derzeit wird hier gebaut, ab Herbst sollen interessierte Besucher wieder Eintritt haben. Mehr über das Gentzsche Treppenhaus gibt es im Beitrag mit Video -> "Inszenierte Klassik" der Reihe "Schlossperspektiven".

Goethe- und Schiller-Archiv

Betritt der Besucher das Goethe- und Schiller-Archiv, entdeckt er nachdem prächtigen Foyer auch das Treppenhaus, das zu den eigentlichen Haupträumen führt. Fertiggestellt wurde es 1896. Aufwendige Postamente, Stufen aus Granit, Podeste aus Terrazzo, Säulen aus Marmor und die schmiedeeisernen Geländer lassen diese Treppe besonders imposant wirken. Die Materialien für dieses Bauwerk kommen aus Schweden, Norwegen, Italien und dem Fichtelgebirge.

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Die Postamente und die Säulen sind bemerkenswert. ©Kathleen Kröger | Klassik Stiftung Weimar

<p>Die schmiedeeisernen Geländer. ©Kathleen Kröger | Klassik Stiftung Weimar</p>

Die schmiedeeisernen Geländer. ©Kathleen Kröger | Klassik Stiftung Weimar

Architektur aus fünf Epochen

Weimars bedeutende Gesichtsorte sind nicht zuletzt auch durch ihre unterschiedlichsten Erbauungszeiten ganz unterschiedlich in ihrer baulichen Wirkung. Hier kommen Barock, Rokoko, Klassizismus, Historismus und Neorenaissance zusammen.

Schloss Belvedere

Repräsentativ, symmetrisch, und doppelläufig ist die Imperialtreppe im Schloss Belvedere. Der Prunkbau wurde 1748 fertiggestellt. Symmetrie findet sich auch an anderen Orten der barocken Residenz wieder. Goethe soll hier 1879 seinen "Torquato Tasso" vollendet haben.

<p>Die Doppeltreppe im Schloss Belvedere. ©Candy Welz | Klassik Stiftung Weimar</p>

Die Doppeltreppe im Schloss Belvedere. ©Candy Welz | Klassik Stiftung Weimar

Wieland-Treppe

Hinter dem Wielandzimmer des Residenzschlosses gibt es eine eisene Wendeltreppe, die vom ersten ins zweite Obergeschoss führt. Von dieser Art findet sich im Schloss noch eine zweite. Einen "richtigen" Namen hat die Treppe nicht, durch ihre Lage wird sie aber oft als "Wieland-Treppe" bezeichnet.

<p>Die Wielandtreppe im Residenzschloss. ©Gordon Welters | Klassik Stiftung Weimar</p>

Die Wielandtreppe im Residenzschloss. ©Gordon Welters | Klassik Stiftung Weimar

Das treppenreiche Schloss

Rund um die Dichterzimmer gibt es gleich drei Treppenaufgänge, denen ein besonderes Aussehen gegeben wurde. Auch die Eisen-Wendeltreppen in den wenig einsehbaren Bereichen des Residenzschlosses sind kunsthandwerkliche Meisterstücke. Natürlich hat das Schloss noch zahlreiche andere Treppen, die alle speziell und einzigartig geformt sind. Zu den aufwändig gestalteten zählt auch die Treppe im Südflügel, die von Besuchern besichtigt werden kann.

Codrays Treppenhaus

Ein Treppenhaus als Ausstellungsraum hat Clemens Wenzelslaus Codray 1848 im Westflügel des Schlosses fertiggestellt. Ein Leuchter und diverse Skulpturen sind hier als dekorative Elemente eingefügt. Der Aufgang ist durch die Glaswand auf der Seite der Dichterzimmer gut zu sehen und bekommt auf diese Weise Licht von zwei Fensterseiten.

Großherzogin Maria Pawlowna hatte die Nischen für Ehrenbüsten verdienter Persönlichkeiten der Landesgeschichte bestimmt.1 Elf Büsten sind bis 1872 platziert worden. Auch der Architekt selbst ist hier in einem Brustbild zu sehen.

<p>Zwischen Auf- und Abgang im Codray-Treppenhaus. ©Kathleen Kröger | Klassik Stiftung Weimar</p>

Zwischen Auf- und Abgang im Codray-Treppenhaus. ©Kathleen Kröger | Klassik Stiftung Weimar

Der Bücherturm

Auch in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek gibt es eine bemerkenswerte Wendeltreppe. Anhand ihrer Form, Geschichte und Größe vielleicht sogar die eindrucksvollste: Im "Bücherturm" befindet sich eine Wendeltreppe mit einer Höhe von 16 Metern aus dem Jahre 1671, die aus der Osterburg in Weida ausgebaut und hier eingebaut wurde.2 Die Spindel wurde aus einem einzigen, 13 Meter hohen Eichenstamm gefertigt. Hier ist eine umfassende Militärbibliothek eingerichtet. Auf den weiteren Ebenen finden sich unter anderem zahlreiche Bände zur Botanik, Zoologie, Flora und Fauna. Es ist die ursprüngliche Aufstellung von 1825.

<p>Die sehenswerte Wendetreppe im Bücherturm. ©Hannes Betram | Klassik Stiftung Weimar</p>

Die sehenswerte Wendetreppe im Bücherturm. ©Hannes Betram | Klassik Stiftung Weimar

<p>Die Militärbibliothek bietet historische Bücher und Globen. ©Daniel Zielske | Klassik Stiftung Weimar</p>

Die Militärbibliothek bietet historische Bücher und Globen. ©Daniel Zielske | Klassik Stiftung Weimar

Goethe-Nationalmuseum

Viele Besucher bestaunen die historische Treppe in Goethes Wohnhaus, die der Geheimrat selbst entworfen hat. Doch in unmittelbarer Nähe gibt es noch eine andere spektakuläre Treppenansicht: Beim Umbau des Goethe-Nationalmuseums (Wiedereröffnung 1999) haben die Architekten Günther Fischer und Ludwig Fromm eine markante Treppe als zentrales Erschließungselement verwirklicht. Ihre skulptural-geschwungene kaskadenartige Gestalt weist weit über ihre Zweckbestimmung hinaus und knüpft an architektonische Meilensteine der klassischen Moderne des frühen 20. Jahrhunderts an. 

<p>Die Wendeltreppe im Goethe-Nationalmuseum ist ein außergewöhnliches Monument. ©Kathleen Kröger | Klassik Stiftung Weimar</p>

Die Wendeltreppe im Goethe-Nationalmuseum ist ein außergewöhnliches Monument. ©Kathleen Kröger | Klassik Stiftung Weimar

Schillertreppe

Die Schillertreppe ist eine von drei Treppen zu den Dichterzimmern des Schlosses. Als kürzester Weg zum Schillerzimmer bürgerte sich der „Spitzname“ dieses Aufgangs schnell ein.3 In diesem recht dunklen Treppenhaus finden sich Ornamentbänder und Malereien, die sich an Wandkunst aus Pompeji orientieren. Hinter zwei Klappen in den Wänden befinden sich Öfen, die hier rückseitig befeuert werden konnten.

Diese Treppe ist ein echter Geheimtipp und ist derzeit nicht öffentlich zugänglich.

<p>Die Schillertreppe von oben. ©Kathleen Kröger | Klassik Stiftung Weimar</p>

Die Schillertreppe von oben. ©Kathleen Kröger | Klassik Stiftung Weimar

<p>Schillertreppe im Schloss Weimar.</p>

Die Ornamente und Tapeten sind in Erdtönen gehalten. ©Kathleen Kröger | Klassik Stiftung Weimar

Museum Neues Weimar

Das Treppenhaus im Museum Neues Weimar bildet zusammen mit der sogenannten Prellergalerie im Obergeschoss das historische Herzstück des Museums. Über dem Treppenabsatz befindet sich die monumentale Skulptur „Goethe und Psyche“ von Carl Steinhäuser. Sie wurde 1851 nach einem Entwurf von Bettina von Arnim geschaffen und ist eines von vielen bedeutenden Kunstwerke des Hauses.

<p>Der Treppenaufgang im Museum Neues Weimar. ©Leonie Ernst | Klassik Stiftung Weimar</p>

Der Treppenaufgang im Museum Neues Weimar. ©Leonie Ernst | Klassik Stiftung Weimar

Der Wandel der Zeit

Architektur ist nie etwas Starres. Sie verändert sich mit den Menschen, ihren Bedürfnissen und den Ideen jeder Zeit. Auch alte Treppen erzählen davon: Sie werden restauriert, erweitert, umgebaut oder erhalten neue Funktionen. Materialien altern, Formen entwickeln sich weiter und jeder Eingriff hinterlässt Spuren. Die einen mehr, die anderen weniger.

<p>Zugunsten eines Aufzugs muss eine alte Treppe im Schloss weichen. Geschickter Weise aber nicht ganz. ©Kathleen Kröger | Klassik Stiftung Weimar.</p>

Zugunsten eines Aufzugs muss eine alte Treppe im Schloss weichen. Geschickter Weise aber nicht ganz. ©Kathleen Kröger | Klassik Stiftung Weimar.

Quellen & Nachweise:

[1] Klassik Stiftung Weimar, Hrsg. Dichterzimmer. Berlin/München: Deutscher Kunstverlag, 2025, S. 98.

[2] Nikolaus Griebel: Ein Tag in Weimar: Wanderungen zu Weimarer Stadtarchitekturen, Weimar 2008, S. 40.

[3] Klassik Stiftung Weimar, Dichterzimmer, S. 52.

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