Schnellzeichner und Karikaturist Daniel Stieglitz © Studio Goldfink.
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Daniel Stieglitz
Der Schnellzeichner und Karikaturist Daniel Stieglitz hat für die Ausstellung „Zwischen Ordnung und Verlust – Die Entstehung der Marke Goethe“, die bis zum 13. Dezember 2026 im Goethe und Schiller-Archiv gezeigt wird, zahlreiche Illustrationen entworfen. Die Ausstellung thematisiert, welche Mittel und Methoden Goethe nutzte, um der Mit- und der Nachwelt ein bestimmtes Bild von sich zu vermitteln. Wir haben mit Daniel Stieglitz über sein Goethe-Bild und die Gedanken gesprochen, die ihn beim Zeichnen seiner Ausstellungsillustrationen beschäftigten.
»Mir war vorher gar nicht klar, dass Goethe ein richtiges Marketinggenie war.«
Die andere Kassette war "Goethe für Kinder: Goethes letzter Geburtstag". Das ist ein wunderschönes Hörspiel, ebenfalls mit Lutz Görner, in dem Goethe mit seinen Enkelkindern einen Ausflug macht und ihnen dabei Anekdoten, Geschichten und Gedichte erzählt.
Insofern hatte ich tatsächlich schon relativ früh eine erste Vorstellung von Goethe – durch seine Gedichte und Balladen, aber auch ein bisschen über sein Leben.
Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen hat er sehr viele seiner Arbeiten aufbewahrt. Goethe war seiner Zeit damit eine ganze Ecke weit voraus. Deshalb haben wir jetzt diese unglaublich tolle Sammlung von Originalstücken, anhand derer wir teilweise seine Arbeitsweise nachvollziehen können. Um all diese ganzen Hinterlassenschaften geht es auch unter anderem in dieser Ausstellung. Mir war vorher gar nicht klar, dass Goethe ein richtiges Marketinggenie war.
Eines meiner Spezialgebiete ist die Karikatur. Insofern musste ich meine Karikatur-Gehirnhälfte ein kleines bisschen herunterdrosseln, weil es in diesem Fall eben weniger um eine humorvolle Interpretation der Physiognomie Goethes ging, sondern darum, konkrete Sachverhalte zu illustrieren und dabei nicht zu sehr in eine humorvolle Richtung abzudriften. Das war zwischenzeitlich gar nicht so einfach, denn Goethe hat tatsächlich ein sehr markantes Gesicht und bietet aus Sicht eines Karikaturisten jede Menge Material, um noch deutlich stärker zu überzeichnen, als ich es hier letztlich getan habe.
Für das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar brachte Daniel Stieglitz seine Erfahrung in einen literarisch-historischen Kontext ein. Seine Illustrationen nähern sich Goethe nicht als Denkmal, sondern als arbeitendem Autor, Sammler, Netzwerker und Menschen – mit einem Blick für das Skizzenhafte, Bewegliche und manchmal auch Komische hinter der großen kulturellen Figur.
Ich wollte deshalb, dass sich meine Illustrationen möglichst homogen in die Schaukästen mit Goethes handschriftlichen Dokumenten einfügen. Deswegen habe ich versucht, den Zeichnungen eine gewisse Leichtigkeit, einen Schwung und eine skizzenhafte Dynamik zu geben – also keine bis ins Detail ausgearbeiteten Illustrationen, sondern eher Sturm und Drang, möchte ich mal sagen.
Ich mag besonders das Fantastische oder leicht Surreale. Deswegen ist meine Lieblingszeichnung die, auf der Goethe auf einem Stapel gigantischer Ordner sitzt. Die sind so groß wie Doppelbetten oder noch größer. Diese Ordner enthalten seine Briefe und Korrespondenzen und verdeutlichen, wie unglaublich viel er geschrieben und aufbewahrt hat. Ganz nachdenklich sitzt er dort, liest und sinniert. Diese Zeichnung hat, finde ich, eine ganz schöne Stimmung.
Zur Person
Daniel Stieglitz, geboren 1980 in Cham, lebt und arbeitet als Illustrator, Karikaturist, Autor und Filmemacher in Kassel. Er studierte Animation, Illustration und Film an der Kunsthochschule Kassel und bewegt sich seither zwischen gezeichneter Beobachtung, erzählerischer Verdichtung und filmischem Denken. Als Storyboardzeichner arbeitete er unter anderem für Werbe- und Filmproduktionen, darunter Uli Edels „Der Baader Meinhof Komplex“. Für Fernsehen, Verlage und Kulturprojekte entwickelt Stieglitz Illustrationen, Erklärbilder und visuelle Erzählformen; 2020 entstand für den MDR die Reihe „Poesie für den Augenblick“, in der Klassiker der Lyrik von Goethe bis Ringelnatz in kurze illustrierte Filme übersetzt wurden. International bekannt wurde Stieglitz auch als Schnellzeichner und Karikaturist. Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Golden Nosey Award; bei internationalen Karikaturenwettbewerben gewann er wiederholt Preise für die beste Karikatur des Jahres. Dabei verbindet er präzise Beobachtung mit erzählerischem Witz in gigantischen Wimmelbildern.
Zur Ausstellung
Anlässlich des 25. Jahrestags der Aufnahme von Goethes handschriftlichem Nachlass in das UNESCO-Weltdokumentenerbe zeigt die Ausstellung, wie Goethe sein literarisches Erbe bewusst gestaltete und für die Nachwelt sicherte. Anhand ausgewählter Handschriften, Briefe und Tagebücher wird sichtbar, mit welchen Strategien er sein öffentliches Bild prägte und seinen Nachlass lenkte. Die Ausstellung Zwischen Ordnung und Verlust – Die Entstehung der Marke Goethe bietet spannende Einblicke in Goethes Selbstinszenierung und die Entstehung seiner bis heute wirkungsmächtigen Persönlichkeit.
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