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Objekte, die Geschichte machen

Zeugnisse von Macht, Erinnerung und Umbrüchen

Art: Artikel Autor*in: Sebastian Dohe
21.04.2026 3
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© Klassik Stiftung Weimar

Carl Augusts Sonnenbrille

Von Ernst Wilhelm Gottfried Kleinsteuber, Glas, Metall, Leder, um 1800, 1935 aus Privatbesitz angekauft

Die Brille ist einer der wenigen ganz persönlichen Gegenstände, die sich von Herzog Carl August erhalten haben. Überliefert wurden sie über die Familie des Kammerherrn von Carl Alexander, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Wielandgut Oßmannstedt besaß.

Hohes Sinnen

Von Sascha Schneider, Malerei auf Gewebe, 1903, 1905 durch Großherzog Wilhelm Ernst gekauft

Das Gemälde kauft Wilhelm Ernst und hängt es im Schloss in den Südflügel. Ein Bild von Männlichkeit, Drang und Zwang zu dominieren – gemalt von einem homosexuellen Künstler, der später eine Bodybuilding-Schule gründete.

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© Klassik Stiftung Weimar

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© Klassik Stiftung Weimar

Büste von Madame de Staël

Von Ernst WilhelmVon Christian Friedrich Tieck, gefasster Gips, 1808, Geschenk von Anne-Louise-Germaine de Staël an Großherzogin Louise

„Weimar war keine kleine Stadt; es war ein großes Schloß, wo eine ausgesuchte Gesellschaft sich mit Theilnahme über jedes neue Kunstproduct unterhielt.“ Mit ihrem Reisebericht „Über Deutschland“ prägt die Schriftstellerin Anne-Louise-Germaine de Staël das Idealbild Weimars: eine kleine Residenzstadt erfüllt von geistigem Austausch, gebündelt „wie in einem Brennpuncte“.

Thron des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach

Von Johann Wilhelm Kronrath, Holz, Blattmetallauflage, Holzersatzmasse und Seidensamt, 1816 (später überarbeitet), 1976 inventarisiert

Der Thron erhält zum Regierungsantritt das Monogramm von Wilhelm Ernst. Eben noch Herrschaftszeichen, ist er nach 1918 ein nutzloses Relikt.

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© Klassik Stiftung Weimar

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© Klassik Stiftung Weimar

Tasse mit Ansicht des Goethehauses

Von Ernst WilhelmVPorzellan, Goldmalerei, um 1849–1870, 2012 im Kunsthandel erworben

Ein frühes Souvenirobjekt aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur in Berlin (KPM) – der Tourismus entdeckt früh das Goethehaus und ist ein Faktor, daraus ein Museum für die deutsche Nation, die es noch nicht gibt, zu machen – das Goethe-Nationalmuseum.

Die kleine Perthes

Von Johann Wilhelm Von Philipp Otto Runge, Porträt der dreijährigen Luise Perthes, 1805, Von Adolf Hitler 1941 den Staatlichen Kunstsammlungen zu Weimar überwiesen

Der T1941 wird das Gemälde vom Land Thüringen dem Enkel der Dargestellten abgekauft und Adolf Hitler zum Geburtstag geschenkt. Dieser überweist es dann an die Staatlichen Kunstsammlungen zu Weimar – ein prägnantes Beispiel dafür, dass vieles, was heute als „typisches Weimarer Kunstwerk aus den Sammlungen“ gilt, erst im Laufe des 20. Jahrhunderts als passend zu den Sammlungen erworben und hinzugefügt wurde.

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© Klassik Stiftung Weimar

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© Klassik Stiftung Weimar

Am Schloss klebt Blut: der Bunker

Luftschutzbunker im Untergeschoss des Schlosses, 1943–1944 errichtet

1943 und 1944 wird im Schlosskeller ein Luftschutzbunker errichtet – unter dem Namen „Gaubefehlsstelle“. Der Name zeigt das Ziel: Machterhalt. Wenn Bomben Weimar zerstören, wollen die Nationalsozialisten weiter von hier aus den Gau Thüringen befehligen. In das alte Gewölbe des Schlosskellers wird dazu eine dicke Betondecke eingebaut. Sie ist noch in Teilen erhalten, ebenso wie eine Schleusentür. Für den enormen Aufwand werden Zwangsarbeiter aus dem Konzentrationslager Buchenwald eingesetzt – an den Wänden klebt wortwörtlich Blut.

Abusch und der Bitterfelder Weg

Historische Fotografie: Verleihung der Goethe- und Schiller- Plakette anlässlich der 75-Jahr-Feier des Goethe Nationalmuseums und des Goethe- und Schiller-Archivs, 27. August 1960

Die Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar (NFG) verwalteten seit 1953 vom Schloss aus unter anderem sowohl das Goethe- und Schiller- Archiv als auch das Goethe-Nationalmuseum. Beide Einrichtungen entstanden 1885. Als Anerkennung für die Förderung der Einrichtungen stifteten die NFG 1960 eine Goethe- und Schiller-Plakette. Auf dem Foto oben erhält sie Alexander Abusch, DDR-Minister für Kultur. Seine Rede Weimar und Bitterfeld stellt das Ideal der sozialistischen Erziehung dar – die Bildung der Klassik soll den Arbeiter aus Bitterfeld zum Idealbild des neuen, besseren Menschen machen. Wieder wird Weimarer Klassik zu einem Erziehungsinstrument gemacht.

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© Klassik Stiftung Weimar

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