Schloss erzählen #04
Weimarer Bestiarium
Ob steinerner Löwe, Holzwurm oder Turmfalke: Ein Schloss wird nicht nur von menschlichen Wesen bevölkert. Die Autor*innen Nora Bossong und Friedrich von Borries nehmen in ihren Texten all jene Lebewesen in den Blick, die das Schloss von Anbeginn an bewohnt, heimgesucht oder bewacht haben. In Gedichten, Rezepten und kurzen Erzählungen stellen sie ihr ganz eigenes Weimarer Bestiarium zusammen – poetisch und frei assoziierend.
Aktennotiz über einen Schwamm - Friedrich von Borries
Rezept für gegrillten Phönix - Friedrich von Borries
Philippika der Affenlöwen - Friedrich von Borries
Bannspruch der Taubenabwehrkrähen - Nora Bossong
Klagelied auf einen toten Käfer - Nora Bossong
Schwanengesang - Nora Bossong
Aktennotiz über einen
Schwamm
Abschrift einer handschriftlichen Aktennotiz, betitelt „Ergänzung zum Protokoll der Sitzung des Steuerkreises Schwammsanierung vom 12. Juni 2085, Verwaltungszentrale Metropolregion Gotherfuweim“, datiert auf den 25. Juni 2085 und mit dem Siegel der Prüfstelle für Good Governance versehen.
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Abweichend vom offiziellen Protokoll fiel die Entscheidung, im vormaligen Museum Schloss Weimar (jetzt: Event-Location Schloss Weim) eine umfassende Schwammsanierung vorzunehmen (TOP 1), nicht einstimmig, sondern gegen das ausdrückliche Votum sowohl der Abgeordneten des Zentralausschusses für kulturelle und rituelle Fragen als auch der Staatlichen Vertretung der nicht-verbalisierungsfähigen Wesen. Vielmehr wurde eine diesbezügliche Änderung des Protokolls auf Anweisung des Vorsitzenden der Metropol-Umbaukommission im Nachhinein mit gleichzeitiger Rückdatierung vorgenommen. Abweichend vom Protokoll hatte die Staatliche Vertretung der nicht-verbalisierungsfähigen Wesen mehrfach darauf hingewiesen, dass Pilze – zu dieser Gattung der Lebewesen zählt der sich von Holz ernährende Hausschwamm – möglicherweise Schmerz empfinden können, was bei der Schwammsanierung unbedingt zu berücksichtigen sei. Zu prüfen sei, so die Vertretung, wie eine Koexistenz mit dem Schwamm zu ermöglichen wäre. Dieser konstruktive Einspruch ist in dem rückdatierten Protokoll nicht enthalten.
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Auch bei der Risikoeinschätzung der Schwammsanierung (TOP 2) wurden auf Wunsch des Vorsitzenden der Metropol Umbaukommission nachträgliche Änderungen vorgenommen. Anders als im offiziellen Protokoll dargestellt, argumentierten in der Sitzung nur der Vorsitzende und der Vertreter des Generalunternehmers ImmoInvest AG für eine Sanierung, die anderen Anwesenden meinten, eine Sanierung sei technisch nicht notwendig
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Im offiziellen Protokoll fehlt ebenfalls, dass die Protokollantin in der Sitzung darauf hingewiesen hat, dass der Vorsitzende der Metropol-Umbaukommission aufgrund seiner Doppelfunktion als Geschäftsführer der Event-Location Schloss Weim gGmbH in Bezug auf die diskutierte Schwammsanierung befangen sei und eine gerechte Abwägung der Interessen des Schwammes gegenüber denen der Event-Location Schloss Weim gGmbH nicht vornehmen könne.
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Darüber hinaus ist zu vermerken, dass sowohl die Abgeordnete des Zentralausschusses als auch die Staatliche Vertretung der nicht-verbalisierungsfähigen Wesen ihren Einspruch gegen die Protokolländerung inzwischen zurückgezogen haben. Aus Sicht der Protokollantin besteht möglicherweise ein meldepflichtiger Zusammenhang zu den zeitgleich in den sozialen Medien verkündeten großzügigen Spenden von ImmoInvest an verschiedene in der Metropolregion aktive Parteien. Eine entsprechende Meldung wurde von der Protokollantin aufgrund ausdrücklicher Anweisung ihres Dienstvorgesetzten nicht (Unterstreichung im handschriftlichen Original doppelt) vorgenommen.
In Hinblick auf das erst 2083 verabschiedete Gesetz zum Schutz nicht-verbalisierungsfähiger Wesen und der aktuellen Compliance-Verordnung der Metropolregion sieht sich die Protokollantin verpflichtet, diese Auffälligkeiten mit einer Aktennotiz zumindest für die Nachwelt zu dokumentieren. Möge die Zukunft auch dem gemeinen Hausschwamm Gerechtigkeit widerfahren lassen.
Rezept für gegrillten
Phönix
Einfach nur kochen, was gesund ist und gut schmeckt, war gestern. Der brandheiße Trend sind History-Dinner. Überraschen Sie Ihre Gäste mit einem Menü, das zu unseren kulturellen Wurzeln führt – und zeigen Sie ihnen so, dass Sie nicht nur am Herd ein Crack sind, sondern sich auch in der Kulturgeschichte auskennen.
Namensgeber für dieses Festmahl ist der Phönix, eine mythologische Figur aus der Antike. Dieser Vogel steht für Unsterblichkeit, weil er am Ende seines Lebens sich selbst verbrennt, in der Asche des Feuers allerdings ein Ei zurückbleibt, aus dem er neu ersteht. Außerdem steht er für Pracht, Reichtum und Schönheit – alles in allem also ein anregender Ausgangspunkt für ein Grillgericht.
Natürlich können wir keinen echten Phönix grillen, denn den gibt es nicht. Stattdessen lassen wir uns von einem Klassiker der Kochgeschichte inspirieren, dem Rôti Sans Pareil. Es stammt von Alexandre de la Reynière und erschien 1807 im Almanach des gourmands. Im Prinzip ist es ein sehr einfaches Rezept: Ein sehr kleiner Vogel wird in einen kleinen gesteckt, der in einen etwas größeren, der wiederum in einen mittelgroßen Vogel usw., bis schließlich 17 Vögel ineinandergestopft sind und das Ganze, eingebettet in Gewürze, Kräuter und Gemüse, für 24 Stunden im Ofen geschmort wird.
Das Prinzip ist klar: Kaum ist ein Vogel tranchiert und wird aufgegessen, taucht unter dem Gemüse ein neuer auf, quasi die Wiedergeburt des Vogels, der gerade verspeist wurde, bis schließlich nur noch ein Ei – das Symbol für Zukunft – übrig ist. Für den Anfang sind 17 Vögel etwas viel, zudem sind manche, die de la Reynière empfiehlt, heute kaum oder nur sehr schwer zu erhalten. Außerdem wiegt ein kompletter Rôti Sans Pareil rund 40 bis 50 Kilogramm; so viele Gäste möchten Sie vielleicht nicht einladen. Wir probieren es deshalb erst mal mit fünf Vögeln – Sie kommen immer noch auf einen Braten, der 15 bis 20 Kilogramm wiegt.
Zubereitung
Vögel innen und außen waschen und gegebenenfalls Federreste zupfen. Mit Küchentuch trocken tupfen. Salz, Pfeffer, Knoblauch, Muskat, Wacholder und Zucker im Mörser zerstampfen. Knoblauchzehen zerquetschen und mit Öl unter die Gewürzmischung mischen, sodass eine cremige Paste entsteht. Vögel mit der Paste innen und außen einreiben, Ei in die Wachtel legen und dann alle Vögel der Größe nach vorsichtig ineinanderstopfen. Gemüse klein hacken und in einen Bräter legen, den mit den Vögeln gefüllten Puter auf das Gemüse legen und mit dem Wein übergießen, die Lorbeerblätter in den Sud fallen lassen. 16 Stunden bei 180 Grad Celsius braten, abschließend 40 Minuten grillen. Idealerweise ist das Ei in der Wachtel dann pflaumenweich. Als Beilage eignet sich ein Risotto. Das History-Dinner lebt von Details, und das betrifft natürlich auch die Dekoration. Deshalb noch eine Kreatividee zum Abschluss: Damit Ihr Festmahl bei den Gästen für immer in Erinnerung bleibt, geben Sie ihnen als Abschiedsgeschenk eine von Ihnen vergoldete Feder mit – vielleicht hat die eine oder der andere in der Kindheit ja Harry Potter gelesen und traut sich, bestärkt durch Ihre magische Feder, ebenfalls die Zubereitung dieses schwergewichtigen Gerichts zu.
Philippika der Affenlöwen
So geht es nicht weiter!
Seit 250 Jahren werden wir von euch angegafft, wenn ihr durch den Hof des Schlosses schreitet und unsere in die Wand eingezwängten Köpfe betrachtet. Immer wieder hören wir die gleichen dummen Sprüche:
„Nein, Löwen, schau
doch mal, die haben
doch eine Mähne.“
„Aber das ist doch
ein Affengesicht.
Kuck doch mal auf
die Ohren.“
Und so weiter und so fort.
Mit Steinen hat man uns schon beworfen, einige Kinder haben sogar – ich schäme mich, es zu sagen, so wütend macht es mich – versucht, uns anzuspucken. So viel Niedertracht, ich könnte noch von etlichen weiteren Vorfällen, Beleidigungen, Herabwürdigungen berichten. Es ist so dumm. Und so falsch. Nun denn. Die Frage, ob wir Affe oder Löwe seien, führt am Kern vorbei, denn wir sind weder das eine noch das andere. Wir sind etwas ganz anderes, wir sind Löwenaffen, Affenlöwen, denkt euch, was ihr wollt, so oder so sind wir Hybride, Zwischenwesen, Ausgeburten einer dunklen Fantasie, und das aus gutem Grund.
Manche sagen, wir seien Fratzen – das ist zwar nicht nett gemeint, sondern immer als Beleidigung, ja, eine schlimme Beleidigung, aber in gewisser Weise, das muss man zugeben, stimmt es. Besser gefallen würde mir, wenn ihr uns als Gesichte bezeichnen würdet, als Vorahnungen, Mahnzeichen, wie auch immer.
Denn wir, die Löwenaffen, die Affenlöwen, wir sind Fratzen von euch, wir sind euer Spiegel. Wir sind euer Albtraum, in dem ihr euer selbst gewahr werdet.
Denn Affen, das seid ihr ja auch, Affen – keine normalen Affen, auch nicht Menschenaffen, sondern Lackaffen, ja, Lackaffen. Ihr glaubt, ihr seid etwas Besseres als wir gemeinen Affen, höher entwickelt, ha, dass ich nicht lache, das seid ihr nicht. Aber das denkt ihr. Und Löwen, das wäret ihr gerne. Ich sag nur: Wappentier. König der Tiere. Herrscher, absoluter Spitzenprädator. Da ist sie, eure Janusköpfigkeit, denn ihr seid irgendetwas zwischen Lackaffen und patriarchalen Weltzerstörern.
Und wir? Wir sind, so denkt ihr, bloßer Stein, bloßes Abbild, totes Material, nur durch des Künstlers Hand mit einem Abglanz von Lebendigkeit versehen. Wir, so denkt ihr, haben keine Seele, keine Sinne, keine Gefühle und keine Gedanken. Oh, wie ihr euch irrt.
Eure Gedanken sind gefangen in der Begrenztheit eurer Vorstellungskraft, aber unsere Gedanken sind frei. Sie steigen die Fassade hinab und streifen des Nachts durch das Schloss. Dieses Schloss ist unser Territorium, hier sind wir die Herren über Gedanken und Gefühle. Was haben wir in den vielen Jahren nicht schon alles gesehen. Unglückliche Großfürstinnen und verliebte Museumswärter, verzagte Soldaten und wütende Revolutionäre. Und eines könnt ihr mir glauben: Bei so manchen hatten wir eine Hand im Spiel, denn als Geister haben wir die Fähigkeit, uns in eure Gedankengebäude, Gefühlswelten und Traumlandschaften einzuschleichen. Dort können wir Gutes tun, aber auch Unruhe stiften. Warum ich euch das eingestehe? Zwischen uns, den Löwenaffen, und euch, den Menschen-Lackaffen, gibt es einen großen Unterschied: Eure Gedanken sind gefangen, aber eure Körper sind frei. Unsere Körper hingegen sind gefangen, eingesperrt von euch in Stein.
Lasst uns endlich frei, damit auch wir, wie ihr, stolz und glücklichauf der Erde wandeln und, im wahrsten Sinne des Wortes, unseren Gedanken nachgehen können.
Und wenn nicht, ja, wehe, wenn nicht, dann werden wir – noch viel mehr als schon zuvor – mit unseren Scherzen und Schmerzen eure Träume und Fantasien durchsetzen.
Bannspruch der Taubenabwehrkrähen
Ecce rostrum cornicis!
Fugite partes adversae!
Wir hausen im Hall uralter Formeln, versengter Magie, Federn, Wortikonen. Sieh uns schwarze, leere Boten, wie wir schweigen, harren, unsre Krallen drohen. Wir sind das Wider ohne Für, wir sind dort, ohne da zu sein. Nie ganz Rabe, nur Schnabel und Schatten, Totemrelikt, Reliquientier, Schwellenwächter sind wir. Willst du vom Dies- ins Andersseits, willst passieren, wechseln, überschreiten, sprich bei uns vor, besteh uns, schon bist du gescheitert. Kein Tier, das unsrer Einsamkeit beikommt. Nichts kommt uns nah, niemand bleibt uns. Ausgeleuchtet, aufgeklärt, geistern wir durch Ängste gestürzter Zeiten und warten auf den Flug, mit dem auch wir uns entgleiten. Es gibt Elstern, Buchfinken, den Gesang vom Star. Doch sieh uns an! Geh weg! Bleib fern!
Klagelied auf einen toten Käfer
Wer, wenn nicht dieser Käfer erklärte uns die Farben, die das Ende trägt, das Grau mit all seinen Nuancen? Es ist ein Schattengrau und Eisengrau, ein Taubengrau und Kellergrau, ein Wassergrau und Wintergrau, ein Feldgrau, Mausgrau, Wildgansgrau, das Grau aus Kafkas Stundenplan. Die Beinchen angezogen, rücklings aufgebahrt, wärmt ihm die Sonne seinen starren Körper. Sein Tod ist noch nicht eingeübt, und auf dem Hof zwitschern zwei Gäste ihre Reisepläne, grau wie die Wolken, wie der Schlaf in einem fremden Bett. Es ist ein Grau für Ämtergänge und für Treppenwitze, es ist das Grau für einen ganz normalen Tag. Sechsfüßig, flügelig und engelähnlichliegt er im Panzer, der gegen seinen Tod nicht hält, im Grau, geordnet wie das Chaos, kategorisch wie die Welt, und über seinem Panzer explodiert der Himmel leuchtend bunt in zweifelhaften Farben.
Schwanengesang
Hörst du?
Dieses gleißende Rauschen, der klagende Gesang. Wie oft hast du ihn greifen wollen, einmal noch, auf Postkarten, in Märchen und Streichkonzerten, doch sein weißes, schwerleichtes Gefieder widersetzt sich deinem zudringlichen Ungeschick. Weg ist er. Nur ein leerer Raum, verlassen wie alle toten Nester, liegt vor dir. Aber still ...!
Aus dem Nichts scheint sein Singen zu kommen, dabei ist es gerade andersrum: Es geht ins Nichts. Es ist sein Abschied. Hier erst wird er ganz sichtbar, denn der Schwan erklärt sich vom Ende her. Sein Tod ist der Beginn deiner Wehmut. Unter deinen Schritten knarrt eine Diele, während du dich tastend in seine Nähe suchst. Da, hinter den bloß gelegten Balken, tief unter der Sonne, die von der Decke strahlt, hat er sich versteckt. Zitternd im Gefieder sitzt der Schwan, eine Melodie von alters her hebt ihn aus der Zeit. Er ist auf dem Rückzug.
Vorsichtig näherst du dich, noch langsamer, zögerndes Harren, jede Bewegung muss wie Stillstand aussehen. Über Jahrtausende hat der Schwan gelernt, dass der Mensch ihm nicht immer das Beste will. Man hat ihn gerupft, gebraten, ausgestopft. Bis heute lieben Menschen Tretboote und Suppenterrinen in seiner Form, und wie viele haben versucht, ihn nachzuahmen, sind ihm auf verkrüppelten Zehen hinterhergestorben. Bühnen wurden gefüllt mit synchronen Trippelschritten, um seiner Tragik auf die Spur zu kommen. Das Ende aber ist des Schwans Geheimnisses Anfang.
Wer will schon sein wie ein junger Schwan? Grau, klein, unscheinbar, eignet er sich für pädagogische Märchen doch nur, weil er sich noch vor dem letzten Absatz auswächst. Erst der volle Schwan flößt dir oberflächlichem Ornithologen Respekt ein. Jetzt regt er seinen Kopf. Pracht fällt ihm leicht, sein Schlangenhals verliert allein durch die Farbe den Schrecken.
Cygnus albus. Wie ein Gebet, ein Zauberspruch. Du beschwörst ihn und all seine Vorgänger. Was ist ein König ohne einen Schwan im Wappen. Reichsapfel, Krone, Zepter bleiben auf ewig nur starre Insignien, Annäherungen an Macht, dumpfe Symbole. Dieser hier aber, mit seinem kleinen Schwanenherz unter dem fettigen Fleisch, zeigt dir, was Vergänglichkeit ist und was Trauer. Wie er sich immer entzieht, wie er immer dir vorschwebt.
Sieh seine Plattfüße, seine gewaltigen, schwarzen Paddel. Er ist nicht bloß, er ereignet sich. Er geschieht dir, es stößt dir zu der Schwan, krönend Seen und Bäche und Dielenboden. Breitet er seine gewaltigen Flügel aus, schlägt sie einige Mal gegen die Luft und erhebt sich aus dem Kreislauf der Schwerkraft, hörst du sein Stürmen, jedes Meer und alles Nichts übertönend.
Man sagt, seine Brust schmecke schlammig, seine Flügel nach Fisch, doch schau, wie er in der Luft gründelt, sein Fleisch muss das Aroma der Wolken haben. Du wirst es nie wissen, denn niemals würdest du deinem Counterpart etwas antun. All die verrückten Könige, die auf ihren Banketten seine Brüder aufgetischt haben, sie verstanden nicht, dass Vergänglichkeit keine Speise ist.
Er ist dein Ebenbild, das dich übersteigt. Dein Ursprung, der nichts von dir weiß. Dein Ziel, das dir unerreichbar bleibt. Du sinkst aufs Fensterbrett und siehst ihm nach, diesem für den Höhenflug zu vertieften Vogel. Nichts als eine große Ente ist er, ein zu weiß gewachsener Gänserich. Doch rede dir nicht sein Scheiden leicht. Um dich bleibt nur profanes Mauerwerk, ein wenig Holz, ein Daunenkiel. Weit, weit von dir schwingt noch ein letzter Klang zu dir zurück. Auch der entkommene Schwan singt.
Hörst du?
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